Die Drei Elemente und der Nebel
Das Ödland mit seiner wenig abwechslungsreichen Struktur scheint unendlich zu sein.
Das ist für die Shim sehr erschreckend, da sie in von Mauern umgebenen Tempeln groß werden, in denen alle paar Meter etwas ihre Sicht begrenzt.

Die Einzigen, denen das Attribut ‘unendlich’ zugeschrieben wird, sind die drei Urelemente. Karrak, die Erde, Sama, der Himmel und Thamas, das Wasser.
Die Drei Elemente sind unbezwingbar, rau und von unermesslicher Macht. Niemand kann sich mit der unendlichen Erde messen, niemand den endlosen Ozean bereisen und niemand kann den Himmel unterwerfen.
Umso tiefer man in die drei Urelemente vordringt, desto schwieriger wird das Überleben und irgendwann wird man von ihrer Macht einfach erdrückt. Ein ‘Ende’ gibt es nicht, und kein Lebewesen kann auch nur die ‘Mitte’ eines der drei Elemente erreichen. Sie sind die einzige, unendliche, stetige Macht und der Ursprung allen Lebens, aber auch gefährliche und unberechenbare Kräfte.
Alle drei Schriftzeichen zusammen ergeben das Zeichen für ‘Leben’, denn aus den drei Urelementen entstanden alle Dinge angefangen bei Edeja und Aleksor bis hin zum kleinsten Lebewesen.
Mit dem Schriftzeichen ‘Wasser’, dass auch das dazugehörige Urelement darstellt, wird immer Salzwasser verbunden. Trinkwasser ist eine abgeschwächte Form des Wassers, die Thamas seinen Kindern nur auf Edeja zur Verfügung stellt und von sich gibt, damit sie es zähmen und trinken können. Niemand würde je auf den Gedanken kommen Meerwasser zu trinken, und man weiß, dass es tödlich wäre, da es ungezähmtes, raues Wasser ist, ein Teil von Thamas selbst, der nicht bereit ist, es von sich zu geben. Nur Regen und Flüsse, Bäche und Seen sind Trinkwasser, das Thamas abgegeben hat, um die Kinder Edejas zu ernähren. Zu weit aufs Meer hinaus zu fahren würde bedeuten, sich Thamas Seele zu nähern, und dass wäre eine Anmaßung, derer sich das Wasser sicherlich erwehren würde.

Genauso verhält es sich mit den anderen Elementen.
Nur der Rücken des Drachens wurde von Karrak bereitwillig den Kindern Edejas zur Verfügung gestellt, und wenn man zu tief gräbt, berührt man wieder die Erde selbst und muss als Konsequenz mit dem Tod rechnen.
Der Himmel ist ebenfalls weit und unendlich, und nur der Wind und die Luft zum Atmen sind Geschenke Samas‘. Wer zu weit hinauf fliegt versucht sich der Seele des Himmels zu nähern, was nur mit einer Strafe Samas beendet werden kann, die höchstwahrscheinlich den Tod des Anmaßenden zur Folge haben wird.

Das einzige Element, dessen Berührung die Kastenbewohner aus Katach gewöhnt waren, war der Himmel (mit Erde kamen sie nicht in Kontakt, da sie auf Edeja, dem gegebenen Stück wandern, und nicht auf die Idee kamen, in der Erde zu graben, der Himmel jedoch gab einen guten Blick auf seine Unendlichkeit her). Und als die ersten Assra-Tar auszogen, um das öde Land zu bereisen, da sahen die wenigen, die durch das Tor hinterher spähten, nur eine gerade Linie, den Horizont, und es sah aus, als machten sich die Götterkinder auf, den Himmel am Ende dieses Horizontes zu erreichen.

Daher nannten sie die Götterkinder fortan ‘Himmelsstürmer’, und dieser Name hat sich durch die menschliche Sprache verbreitet und wird in den Hallen jeder Kaste geflüstert.

Wie schon erwähnt setzt sich aus allen drei Elementzeichen das Schriftzeichen für ‘LEBEN’ zusammen.
Dreht man dieses Schriftzeichen um, so hat man das Zeichen für ‘NEBEL’.

Es gibt eine Menge Nebel im Ödland. Er taucht urplötzlich auf und hüllt den Wanderer ein, der nichts dagegen tun kann. Nebel ist keine natürliche Erscheinung. Er gehört nicht zu den von Menoa beeinflussbaren Wetterphänomenen und tritt verstärkt in Gebieten auf, an denen Unheilvolles geschehen ist, was man den meisten jungen Adepten nicht sagt, bevor sie ausziehen.
Vor dem Nebel kann und sollte man nicht warnen. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen mit dem Nebel der Vergangenheit machen und es wird als eine Prüfung angesehen, die Begegnungen mit dem Nebel zu überstehen.
Durch das Dahinscheiden der Götter sind auch die Elemente in Aufruhr geraten. Aber niemand weiß genau, woher der Nebel kommt.
Man sagt er tritt immer dort auf, wo in der Vergangenheit furchtbare Dinge geschehen sind und bringt Wahnvorstellungen und Geister der Vergangenheit mit sich; Trugbilder, die mit dem Wandernden in Kontakt treten und ihn zu verwirren suchen. Oftmals werden schwache Geister davon in den Wahnsinn getrieben, weshalb nur Götterkinder ins Ödland hinaus ziehen. Es ist ihre Pflicht den Nebel, der an Orten, an denen die falsche Macht fließt und Unheilvolles seinen Lauf nimmt, zu bezwingen und die Orte an denen sich Nebel zeigt, rituell reinigen.

Doch allzu oft hinterlässt der Nebel auch auf ihren Seelen Spuren und Narben, die nicht mehr zu heilen sind…